Rekonstruktion einer carroballista nach Motiven der Trajans- und Marc Aurelsäule (Rom)


Methodik


Auf Basis der mittels Analyse der Darstellungen (Menüpunkt "Analyse") auf der Trajans- und der Marc-Aurel-Säule gewonnenen Erkenntnisse kann man eine Rekonstruktion dieses Geschütztyps vornehmen. Die Rekonstruktion soll dabei weitestgehend im Einklang mit dem bisher durch Funde und schriftliche Überlieferungen – erreichten Wissenstand über antike Pfeilgeschütze bleiben.
Die Rekonstruktion hat nur Vorschlagcharakter. So sind beispielsweise die Windensysteme zum Spannen der Geschütze auf den Darstellungen nicht ausgeführt. Deswegen kann das bei der Rekonstruktion verwendete System von der originalen Ausführung abweichen. Wie konstruktive Details in der Wirklichkeit ausgesehen haben, lässt sich nur durch Funde klären, die sich diesen Geschützen zuordnen lassen. Da immer wieder Bauteile antiker Torsionsgeschütze gefunden werden, ist dies für die Zukunft nicht auszuschließen. Auch ist es durchaus möglich, dass in Museumsmagazinen Relikte solcher Geschütze liegen und als solche noch nicht erkannt worden sind. Die Rekonstruktion beginnt mit einzelnen Bauteilen die dann zum gesamten Geschütz zusammengefügt werden.



Torsionsständer


Die Torsionsständer haben die Aufgabe, die beiden Spannbuchsen zu lagern und auf Abstand zu halten. Es werden jeweils zwei Spannringe mit zwei vertikal stehenden Streben vernietet. Die vorderen Streben haben Ausformungen, in denen später die Katapultarme in ihrer vorderen Stellung ruhen. An jeder Strebe werden zwei Ösen vernietet in denen die Unter- und Bogenstrebe des Spannrahmens montiert werden.
In den Spannringen sind die Gegenbohrungen zu den Spannbuchsen eingebracht, in denen diese mittels Steckbolzen arretiert werden.Die Ständer haben eine Höhe von ca. 300 mm. Die Spannringe sind außen im Durchmesser von 145 mm gehalten und innen passend zu den Spannbuchsen ausgearbeitet.

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Abbildung 1
Linker und rechter Torsionsständer.
Rekonstruktion nach Funden aus dem französischen
Lyon und aus Gornea (Rumänien)

Die Streben


Die beiden Torsionssysteme (Ständer, Spannbuchsen, Sehnenbündel und Katapultarme) werden durch zwei Streben auf Abstand positioniert. Die untere Strebe nimmt später den Schaft mit dem Schieber und den Ständer mit dem Schwenkgelenk zur Höhenausrichtung auf. Die Streben sind aus Schmiedeeisen und zur Gewichtsersparnis mit beidseitig ein geschmiedeten Hohlkehlen (Kannelierungen) ausgestattet. Die Unterstrebe ist aus zwei Teilen aufgebaut, die miteiander vernietet werden (Leiterstrebe).Die Befestigung an den Torsionsständern erfolgt mit Gabeln deren Enden in die Halteösen an den vertikalen Ständerstreben gesteckt werden. Die Gabelenden haben ein geschmiedete rechteckige Löcher. In diese werden Eisenkeile eingeschlagen und damit die Streben an den Ständern fixiert. Der immense Vorteil dieser Konstruktion ist die im Bedarfsfall schnelle Demontage der Torsionsständer.




Abbildung 2
Unterstrebe, vorne als Explosionszeichnung.



Abbildung 3
Bogen- und Unterstrebe

 



Abbildungen 4 und 5
Montage der Streben durch Hakenverbindungen mit
eingeschlagenen Haltekeilen.

Spannrahmen


Abbildung 6 zeigt den Spannrahmen ohne Spannbuchsen, Sehnenbündel, Katapultarme und Schutzbuchsen. Die unverkleideten Torsionsständer verdeutlichen den konstruktiven Aufbau.




Abbildung 6
Spannrahmen montiert


Spannbuchsen


Die Spannbuchsen sind aus Bronze gegossen. Der Innendurchmesser beträgt ca. 80mm bei einem Außendurchmesser von 145 mm. Die Höhe beträgt ca. 90mm, ein an der Unterseite angegossener Rand dient zur Fixierung in den Spannringen der Torsionsständer, eine eingegossene Quernut zur Aufnahme der Spannbolzen. Vier eingearbeitete Bohrungen haben die Aufgabe, die Spannbuchse mittels Vorsteckbolzen in den Bohrungen der Spannringe zu fixieren. Die Rekonstruktion beruht auf Funden aus dem italienischen Cremona, datiert auf 69 n. Chr.




Abbildung 7
Spannbuchse Links in Draufsicht, rechts Ansicht von unten.
Rekonstruktion nach einem Verwahrfund von Cremona (Italien,
datiert auf 69 n. Chr.)



Abbildung 8
Spannbuchse mit montiertem
Spannbolzen und Vorstecker.

Spannbuchse mit montiertem Spannbolzen und Vorstecker.


Geschützbauteile, die wohl am wenigsten Aufmerksamkeit erregen, dürften die Spannbolzen sein auf den ersten Blick ein einfache Bauteile. Es handel sich dabei um quaderförmige Schmiedestück, die oben zum Umschlingen der Torsionsseile gerundet sind. Betrachtet man Funde (z.B. aus Cremona) stellen sich diese Bauteile als recht komplexe Gebilde dar.


Was macht diese Bauteile wider Erwarten kompliziert?


Die Spannbolzen ruhen in eingegossenen (und/oder eingemeißelten oder eingefeilten) Nuten der Spannbuchsen. Wird ein einfacher gerader Bolzen verwendet kann sich dieser während des Spannens oder Schießens seitlich verschieben. Um dies zu verhindern formten die antiken Konstrukteure diese Spannelemente unten so aus, dass diese formschlüssig in den Spannbuchsen fixiert waren.


Eine weitere Besonderheit sind zwei zur Mittelachse der Bolzen symmetrische Ausbuchtungen an den Oberseiten. Damit wird die unterschiedliche Längendehnung der Torsionsbündel beim Spannen ausgeglichen. Die Zugbeanspruchung der Sehnenbündel wird auf diese Weise von außen nach innen gleich gehalten.




Abbildung 9
Spannbolzen

Die Spannbolzen erfüllen einen weiteren Zweck: An ihnen wird der Spannschlüssel angesetzt um den Torsionsbündeln die nötige Vorspannung zu geben. Konstruktiv bedingt muss daher der Bereich der Bolzen frei von Bohrungen für die Vorstecker bleiben. Die Spannschlüssel greifen formschlüssig über die Spannbolzen und diese werden – nach Ziehen der Vorsteckbolzen – samt der Spannbuchsen gedreht.




Abbildung 10
Torsionsständer mit montierten Buchsen,
Spannbolzen und Vorsteckern.



Abbildung 11
Links mit eingezogenem Sehnenbündel,
rechts mit eingestecktem Katapultarm.
Das Sehnenbündel ist im entspannten
Zustand dargestellt.


Katapultarme



Die beiden Katapultarme verwandeln die in den verdrehten Seilbündeln gespeicherte Energie über ihre Hebelwirkung in eine geradlinige Vorwärtsbewegung der Sehne samt Geschossbolzen. Neben der Sehne sind es die am höchsten beanspruchten Teile. Die Katapultarme bestehen aus Holz mit einer Eisenarmierung. Die Eisenarmierungen dienen der Verstärkung der Holzteile und verhinderten bei deren Bruch ein unkontrolliertes Davonfliegen von hölzernen Bruchstücken.
Werden bei einem traditionellen Katapultsystem die Arme beim Spannen in die Sehnenbündel hineingedrückt, kommt beim internen System ein anderer Effekt zum tragen. Die Kräfte wirken umgekehrt und „ziehen“ die Teile aus den Sehnen. Beim Schießen werden die Katapultarme außerdem nach vorne beschleunigt und fliegen – ohne geeignete Haltemaßnahmen – aus den Torsionsbündeln heraus. Die Lösung ist ein an geschmiedeter Haken am Ende der Eisenverstärkung. Ein weiterer Haken auf der Gegenseite bewirkt eine wirkungsvolle Zentrierung in den Sehnenbündeln.
Zur Aufnahme der Bogensehne dient ein an die Verstärkungsleiste an geschmiedeter Haken. Der Sehnenhaken ist fest montiert und direkt im Holz geschäftet. Ein verschiebbarer Sehnenhaken zur Anpassung an die Sehnenlänge macht bei einem internen Katapultsystem wenig Sinn, da die Arme im Ruhezustand nahezu parallel stehen. Dazu kommen die enormen Kräfte, welche einen aus der Schäftung hervorstehenden Haken verbiegen würden.




Abbildung 12
Katapultarm mit Eisenarmierung

Der Katapultarm wird durch das entspannte Sehnenbündel hindurchgeschoben, um 90° gedreht und mittels der beiden Haken zentriert. Erkennbar ist jetzt (Abbildung 8) die Funktion der Aussparung in der vorderen Strebe. Dort findet der Katapultarm in seiner vorderen, entspannten Stellung sein Widerlager. Dadurch wird auch jedes Mal nach einem Schuss die Lage des Katapultarmes in den Sehnen korrigiert.


Die Abbildungen 5 und 6 zeigen den Vorteil dieser Konstruktionsart eines Torsionsständers. Bauteile dieser Art – in jeweils einer Rechts- und einer Linksausführung – konnten fertig bespannt bevorratet werden. Wurde ein Sehnensatz beim Einsatz beschädigt, war ein schneller Austausch gegen ein bereitgestelltes, intaktes System möglich. Der Katapultarm musste herausgezogen und danach die Eisenkeile an der Unter- und Bogenstrebe gelöst werden. Außerdem war es möglich ein verschlissenes oder defektes Torsionssystem ins Arsenal zu geben, ohne das eigentliche Geschütz vom Einsatzort entfernen zu müssen.


Diese Möglichkeit war bei den traditionellen Waffen in Holzständerbauweise nicht gegeben.War die Bespannung beschädigt, musste diese in einer aufwändigen Prozedur ersetzt werden. Eventuell war es sogar notwendig das gesamte Geschütz zur Reparatur ins Arsenal zu bringen.


Anmerkung:
Bei neueren Rekonstruktionsversuchen traditioneller Geschütztypen geht man davon aus, dass der komplette Spannrahmen nur auf den Schaft aufgesteckt und verstiftet war. Dies hätte einen relativ schnellen Tausch des Rahmens ermöglicht, aber nur komplett und nicht einzeln wie bei den jüngeren Geschütztypen mit Metallrahmen.


Bevor die nun fertig montierten Torsionsständer in die Bogen- und untere Querstrebe eingesetzt werden, müssen die Schutzhülsen aufgesetzt werden. Diese bestehen aus zwei Teilen und haben Aussparungen für die Halteösen der Ständer und natürlich Raum für die Spann- und Schussbewegung des Katapultarmes. Durch die kreisrunde Ausführung der Spannringe am Torsionsständer können die Hülsen formschlüssig angesetzt werden. Ihren eigentlichen Halt bekommen die beiden Schutzbuchsen durch die Haltegabeln der Streben die mit dem Torsionsständer verkeilt werden.



Schutzdeckel und Buchsen


Auf Feldzügen waren die Geschütze der Witterung und im Kampfeinsatz auch gegnerischer Waffenwirkung ausgesetzt. Um das empfindliche Sehnenmaterial der Spannbündel vor äußeren Einwirkungen zu schützen, erfolgte eine Abdeckung mittels Deckeln und zylindrischen Hülsen. Als Materialien standen Eisen- oder Bronzeblech zu Verfügung. Als Herstellungsverfahren für die Deckel bietet sich Bronzeguss an. Möglich wäre auch getriebenes Bronze- oder Eisenblech. Für die zylindrischen Buchsen sind getriebene Blechhülsen am wahrscheinlichsten.




Abbildung 13
Schutzdeckel aus Bronze.Darstellung im
Schnitt zur Verdeutlichung der Montagesituation

Die Deckel können auf die Spannbuchsen aufgesteckt oder – je nach erreichbarem Passmaß – auch aufgeklemmt werden. Dies ist unproblematisch für die oberen Deckel. Die unteren Deckel hätten auf die gleiche Weise montiert werden können. Es bestand dann aber immer die Gefahr, dass diese sich durch Erschütterungen beim Transport ablösen konnten. Tatsächlich sind bei der Darstellung einer Transportsituation auf der Trajanssäule die unteren Deckel entfernt (siehe Menüpunkt "Analyse").


Die zylindrischen Schutzbuchsen sind geteilt hergestellt. Auf die Torsionsständer geschoben, werden sie mit den Gabelenden der Streben an den Ständern befestigt. Die quadratischen Aussparungen oben und unten sind der Durchlass für die Halteösen der Torsionsständer an denen dann die Bogen- und Unterstrebe fixiert werden. Die Öffnung für den Katapultarm ist an den Rändern nach außen getrieben, um eine Beschädigung der Holzteile des Katapultarme durch scharfe Blechkanten zu vermeiden.




Abbildung 14
Zweigeteilte Schutzhülse für die
Torsionsständer.



Abbildung 15
Die beiden Hälften der Schutzhülsen werden
auf dem Torsionsständer fixiert.



Abbildung 16
Links. die beiden Schutzhülsen sind montiert.
Rechts, die beiden Abdeckkappen sind ausgesteckt.


Abbildung 17
Der Rahmen ist jetzt komplett. Alles, die
Schutzhülsen und die oberen Abdeckkappen
 sind montiert, die Sehne ist eingehängt.


Der Schaft


Der Schaft nimmt den Schieber samt Verschluss sowie die Spannvorrichtung auf. Zur Führung des Schiebers ist eine schwalbenschwanzförmige Nut eingearbeitet. Am hinteren Ende sind die Lager für die Spannwinde montiert, weiterhin sind vorne, unten die beiden Haltewinkel befestigt, mit denen der Schaft am Spannrahmen an genietet wird.



Abbildung 18
Schaft mit Führung für den Schieber und den Lagern für die Winde.
Seitlich sind die Rastenleisten für das Sperrwerk angenietet.


Abbildung 19
Explosionszeichnung zur Verdeutlichung
des konstruktiven Aufbaus.


Verschluss und Spannschieber


Zum Spannen der Sehne ist eine Vorrichtung zum Verriegeln der Sehne (Verschluss) notwendig. Dieser muss in Richtung der Schussachse beweglich angeordnet sein, um ein Spannen der Sehne durch eine Zugbewegung nach hinten zu ermöglichen. Da es selbst bei gleichmäßiger Vorspannung der Torsionsbündel zu kleinen Unregelmäßigkeiten kommt, muss der Verschluss seitlich geführt werden. Wäre dies nicht der Fall käme es zu einem seitlichen Auswandern des Verschlussstücks. Außerdem führt eine etwas über dem Schieber stehende Sehne zu einem Kippmoment im Verschluss, welches auch durch eine geeignete Konstruktion aufgefangen werden muss. Aus diesem Grund wird dieses Bauteil – nach antiken Vorgaben – üblicherweise auf einem Schieber montiert, der unten schwalbenschwanzförmig aus gearbeitet ist und im Schaft geführt wird.



Abbildung 20
Verschluss mit Haltegabel für die Sehne.


Die Sehne wird in einem gabelförmigen Haltestück fixiert, welches als Wippe in einem Gabelkopf gelagert ist. Das Haltestück wird durch einen Abzugshebel in Position gehalten. Wird der Abzug nach hinten gezogen, kann der Sehnenhalter nach oben ausweichen und die Sehne freigeben. Am Verschlussstück ist noch ein Handgriff an genietet. Dieser kann nach oben geklappt werden und dient zum Vordrücken des Schiebers.



Abbildung 21
Verschluss in Explosionsdarstellung


Abbildung 22
Verschluss auf Schieber montiert.



Abbildung 23
Schieber von unten. Die Vernietung des
Verschlusses erfolgt mittels einer Gegenplatte.


Das lineare Verriegelungssystem


Bei der linearen Verriegelung erfolgt die Sperrwirkung durch längs am Schaft angeordnete Sperrelemente (Rasten), in die am Schieber angeordnete Sperrklinken eingreifen. Die Rasten können theoretisch in das Holz des Schaftes eingearbeitet werden, günstiger wären jedoch Rastenleisten aus Metall, Schmiedeeisen oder aus Bronze gegossen (Abbildungen 24 und 25).




Abbildung 24
Schaft mit montiertem Schieber.
Die Spannrolle ist montiert.

Abbildung 24 verdeutlicht die Funktion der Winde. Das Spannseil ist am Verschluss des Schiebers befestigt und dieser kann nun - im Schaft gleitend - zurückgezogen werden.




Abbildung 25
Lineares, längsverriegelndes Sperrwerk
in der Seitenansicht.


Alternative, radiale Verrieglung mit Sperrrädern und Klinken


Die Verrieglung erfolgt hierbei durch zwei Sperrräder mit einer Doppelklinke. Die Klinke verhindert eine Vorwärtsbewegung des Schiebers durch die Spannkraft der Sehne. Die Sperrräder sind auf die Rolle der Winde aufgesteckt und befestigt. Als Vorbild für die Rekonstruktion der Sperrräder diente ein Fundstück aus dem griechischen Ephyra. Nach erfolgtem Schuss wird die Sperrklinke nach vorne geklappt und der Schieber kann – bei nun frei drehenden Sperrrädern – nach vorne geschoben werden.




Abbildung 26
Radiale Verrieglung mittels zweier
Sperräder. Ansicht von rechts.

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Abbildung 27
Seitenansicht von von rechts. Erkennbar
ist die Rolle der Winde, das rechte Sperrrad
und die Halteklinke.

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Abbildung 28
Radiales Sperrwerk als
Explosionszeichnung.

Bild 30 zeigt den recht komplexen Aufbau der Winde samt Sperrmechanismus. Die Seilrolle ist in halbmondförmigen Ausarbeitungen des Schaftes gelagert und wird mittels an genieteter, gebogener Flachstäbe fixiert. Die Sperrräd werden auf die Rolle aufgeschoben und mittels Nägeln auf dieser befestigt. (zur Vereinfachung ist bei Bild 29 auf die Darstellung dieser Nägel verzichtet worden). Die Sperrklinke – hier als Doppel- Hebelklinke ausgeführt – wird am Schafte vernietet.



Winde mit Kurbel


Zum Antrieb der Winde dient eine zweiarmige Kurbel. Zur Übertragung des Drehmomentes kommt ein Vierkant zum Einsatz,der in die Rolle eingesteckt wird. Vorteil ist, dass Kurbel umgesteckt und die Spannvorrichtung damit von rechts oder links bedient werden kann.




Abbildung 29
Kurbel mit eingesetztem Vierkant und die Rolle mit den
Sperrrädern. Die Ausführung der Kurbel ist für das lineare
und radiale Sperrwerk identisch.


Das Dreibein


Es sind zwei Varianten für den Ständer möglich:


Variante 1: Ausführung zur Bodenaufstellung, Abbildung 30

Variante 2: Podialausführung zur Aufstellung auf einer Geschützbank, Abbildung 31

Für Variante 1 spricht, dass das Geschütz problemlos auf einem Wagen oder auf dem Boden aufgestellt werden kann, ( eigentlich die wahrscheinlichere Ausführung). Variante 2 entspricht den Darstellungen auf der Trajanssäule, wobei nicht sicher geklärt werden kann, ob diese Darstellungen die Realität nicht verfälscht wiedergeben.


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Abbildung 30
Dreibeinständer zur Bodenaufstellung,
mit Scharnier für den Spannrahmen.

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Abbildung 31
Dreibein mit Unterbau

Abbildung 31. Die Abbildung zeigt eine Variante die den Darstellungen auf der Trajanssäule entspricht. Unter der Voraussetzung, dass diese Darstellungen nicht verfälscht sind, wird bei dieser Ausführung im vom Wagen abgesetzten Betrieb - ein Unterbau (Podest notwendig).


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Abbildung 32
Schaft, Spannrahmen und das Scharnier
des Dreibeins im vernieteten Zustand.


Geschütz gesamt mit Ständer für Bodenaufstellung


Abbildung 33 zeigt das Geschütz im fertigen Zustand. Erkennbar ist die verstellbare Abstützung des Schaftes zur Einstellung des Abgangwinkels.


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Abbildung 33
Geschütz fertig montiert in der Ansicht von hinten links.
Die Katapultarme stehen in vorderer, entspannter Position.

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Abbildung 34
Geschütz im fertig montiertem Zustand.
Ansicht von vorne.



Abbildung 35
Der Schieber steht in seiner vordersten Position.
Der Verschluss ist wieder geschlossen und die Sehne
eingehängt.

Abbildung 35 zeigt, wie weit der Schieber – bei einem intern wirkenden Katapultsystem – vorgeschoben werden muss, um die Sehne einzuklinken.


Anmerkung:
In der Praxis hat sich gezeigt, dass sich die Sehne problemlos mit beiden Händen ca. 15 - 20 cm zurückziehen und einklinken lässt, da die Torsionsfedern die ersten 5 - 10° des Spannwinkels noch relativ „weich“ sind. Damit wird das Problem des sehr weit herausragenden Schiebers etwas gemildert.


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Abbildung 36
Geschütz im gespannten Zustand.
Der Geschossbolzen ist     eingelegt.

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Abbildung 37
Geschütz im gespannten
Zustand in der Seitenansicht.

Transportwagen (carrus)


Die Torsionsgeschütze wurden auf Feldzügen mitgeführt, waren also transportabel. Es wurden zweirädrige Wagen mit zwei Zugtieren verwendet. Die Wagen hatten einen kastenartigen Aufbau und Speichenräder. Die Rekonstruktion ist stark an eine Darstellung auf der Marc - Aurel - Säule angelehnt. Als Spurweite wurde das gängige römische Maß von ca. 1,2m verwendet.





Abbildung 38
Rekonstruierter, zweirädriger Transportwagen.
Rekonstruktionsversuch mit Scherendeichsel.



Abbildung 39
Das Geschütz ist einfach in den Wagen gestellt. Für den
Transport sind am Rand des Wagenaufbaus Zurrösen
angebracht (Trajanssäule). An diesen kann das Waffensystem
transportsicher befestigt werden.

Abbildung 40 zeigt den Wagen mit Geschützbank, zur Aufnahme der Version mit kurzem Ständer. In die Geschützbank ist ein Holzzapfen eingelassen. Der Ständer verfügt bodenseitig über eine entsprechende Bohrung im Fuß dadurch lässt sich das Geschütz sicher fixieren, verfügt aber über die Möglichkeit zur Seitenausrichtung.

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Abbildung 40
Wagen mit Geschützbank
und Haltezapfen für den Ständer
des Geschützes.



Abbildung 41
Podialausführung auf Wagen montiert. Diese Ausführung
kommt den Darstellungen auf der Trajanssäule sehr
nahe. Zugtiere sind nicht dargestellt.
(Geschützausführung mit radialer Verrieglung des Spannschlittens).



Abbildung 42
Podialausführung auf Wagen
montiert in der Seitenansicht.

Mittels Drehzapfen auf der Geschützbank ist der Ständer sicher gehalten. Die Grobausrichtung auf das Ziel erfolgt mit Wagen samt Zugtieren (Zugtiere nicht dargestellt). Die mögliche Verlagerung der Schussachse aus der Deichselrichtung erlaubt mehr als ausreichende Korrekturen.




Abbildung 43
Seitenausrichtungsmöglichkeit bei auf
dem Drehzapfen montiertem Geschütz



Abbildung 44
Steilschuss ähnlich der Abbildunng auf der Marc Aurel Säule.
(Siehe Menüpunk "Analyse") Die Winde wird von außerhalb
des Wagens bedient. Schiebervorschub und Einklinken
der Sehne müsste von einer zweiten Bedienperson vom
Wagen aus erfolgen.




Abbildung 45
Vom Wagen abgesetzter Betrieb, das Dreibein steht auf
einem Holzstapel. (Geschützausführung mit Längsverrieglung
des Spannschiebers)

Wird das Geschütz vom Wagen abgenommen, ist ein Unterbau (Podest) notwendig. Bei Wehrbauten wäre eine gemauerte Geschützbank aus Stein möglich gewesen.


Die Ausführung mil langem Ständer (Abbildung 39) dürfte die wahrscheinlichere Variante sein. Das Geschütz wurde dann einfach vom Wagen herunter gehoben, und war dann ohne weitere bauliche Maßnahmen sofort einsatzbereit.



Geschossbolzen


Bei einem Torsionsgeschütz handelt sich es um ein Waffensystem, dem über die Winde manuelle Energie zugeführt wird. Diese wird in den Torsionsbündeln gespeichert und beim Schuss über die Katapultarme und die Sehne an das Geschoss abgegeben. Dieses fliegt dann in einer parabelförmigen Flugbahn zum Ziel. Die Wirkung im Ziel hängt von der Geschwindigkeit und der Masse des Flugkörpers ab. Der Geschosspfeil sollte also möglichst schnell und schwer sein. Kommt ein Handbogenpfeil auf ca. 50 Gramm liegt das Gewicht des Bolzens für einen Torsionskatapult bei ca. 350 Gramm.
Da die Geschwindigkeiten annähernd gleich sind, wird durch die Massenvergrößerung eine siebenfache Wirkung im Ziel erzeugt. Der rekonstruierte Geschossbolzen hat eine Länge von ca. 50cm. Der größte Durchmesser beträgt 35mm. Die Eisenspitze ist ca. 80mm lang und wiegt 120 Gramm. Die Vierkantspitze geht in eine kegelförmige, geschlitzte Tülle über mit der die Geschossspitze auf dem Holzschaft des Pfeils aufgesetzt wird. Die Stabilisierung im Flug erfolgt durch ein Flächenleitwerk mit deri um 90° versetzten Flügeln. Ein vierfaces Leitwerk ist technisch nicht machbar, da der Pfeil mit seiner Unterseite in der Führungsrinne aufliegt.



Abbildung 46
Geschossbolzen mit Holzschaft und eiserner Vierkantspitze.
Rekonstruktion nach Funden aus Dura Europos (Mitte 3. Jahrh. n. Chr.)

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Abbildung 47
Geschossspitzen mit Angel oder
Tülle für den Holzschaft.



Abbildung 48
Geschossbolzen in eingelegter Position.

Anmerkung:
Nach einem Umbau eines rekonstruierten Geschützes auf ein intern wirkendes Katapultsystem mussten vorhandene Geschossbolzen hinsichtlich der Flügel angepasst werden. Die Flügel wurden an den Enden abgeflacht neu Pfeile erhielten ein verlängertes Schaftende und die Flügel wurdenca. 15 mm weiter vorne angesetzt. Das Flugverhalten blieb dadurch unbeeinflusst.




Abbildung 49
Geschossbolzen mit Kegelleitwerk nach
einem Fund aus Vindonissa (Windisch)

Abbildung 49 zeigt einen Geschossbolzen mit Kegelleitwerk. Das Original hatte eine Länge von 12cm und dürfte ein Geschoss für eine Handarmbrust gewesen sein. Die Rekonstruktion wurde auf eine Länge von 32 cm vergrößert. Der Schaftdurchmesser hintenbeträgt ca. 28 mm. Bei dieser Geschossform gibt es bei kleinen Sehnenwinkeln keine Probleme mit den Flügeln. Nachteil ist die geringere Flugstabilität (leichtes Pendeln), bedingt durch das weniger günstige Leitwerk in Kegelform.
Durchaus denkbar wäre eine zusätzliche Befiederung zur Erhöhung der Flugstabilität. (Sihe Menüpunkt "Geschützbau")



Brandgeschosse


Steht beim Normalgeschoss die energetische Wirkung im Ziel im Vordergrund, geht es beim Brandpfeil um die Auslösung eines Schadfeuers. Brennbares Material – z. B. mit Öl oder Pech getränkte Lappen – wurden in den Brandkörben der Pfeilspitzen befestigt und auf geeignete, brennbare Ziele abgeschossen. Um ein Verschlöschen während des Fluges zu vermeiden, wurden die Brandsätze mit Zusätzen aus Eisenspänen, Kalk, Salpeter und Schwefel ergänzt.



Abbildung 50
Abbildung 50 Brandgeschoss mit einer als
 "Brandkorb" ausgeschmiedeten Spitze.


Fazit


Die durchgeführte zeichnerische Rekonstruktion zeigt auf, wie die Geschütze der Trajanssäule konstruiert gewesen sein könnten. Varianten hinsichtlich des Spannsystems sind denkbar. Es können sowohl radial wirkende Sperrsysteme mit Sperrrädern und Klinke als auch linear wirkende Systeme (siehe auch Menüpunkt "Geschützbau") im Einsatz gewesen sein.
Auch hinsichtlich der Anbindung der Torsionsständer an die Streben für die Torsionssysteme, wären andere Ausführungen möglich gewesen. Eventuell wurde auch auf eine Wechselmöglichkeit für die Torsionssysteme verzichtet (siehe auch Menüpunkt " Geschützbau") Hinsichtlich des Ständeraufbaus lassen sich durch die Analyse der Darstellungen auf der Trajanssäule zwei Möglichkeiten ableiten. Beide Varianten wurden hier vorgestellt.



Quellenhinweise
Verwendete Publikationen und Internetseiten: siehe Menüpunkt "Referenzen".